Was Whisky mit Politik zu tun hat

Erst seit 1999 ist Whiskybrennen in der Schweiz erlaubt. Seither haben sich einige Brennereien entwickelt. Und Schweizer Whisky wird auch erfolgreich exportiert. Um Erfolg zu haben, braucht es neben Fachwissen vor allem eine Marke mit Bekanntheit – und ab und zu auch eine Portion Glück.

Der Besuch mit dem Gewerbeverein Altstetten im Whisky Castle in Elfingen war in mehrerer Hinsicht spannend: Wir erfuhren einiges über das Whiskybrennen, den weltweiten Whiskymarkt und wie man erfolgreich sein kann und über den Einfluss der Politik auf das Geschäft.

Die Bauernfamilie Käser in Elfingen im Aargauer Fricktal ist ursprünglich und heute noch ein Obstbauer. Die jedes zweite Jahr anfallenden üppigen Obsternten, haben viel Fallobst zur Folge. Verkauf werden kann dies kaum. Deshalb suchte die Familie Käser eine andere Verwertung und begann so mit dem Obstbrand. Als ab 1999 in der Schweiz das Whiskybrennen erlaubt wurde, wollte sich Ruedi Käser auch in dieses Gebiet hineinwagen. Er liess auswärts einen Whisky brennen. Das Resultat war vernichtend, denn der Whisky war nicht geniessbar. Käser nahm ab dann das Heft selbst in die Hand – und die Erfolgsgeschichte des Whisky Castle nahm fortan ihren Lauf.

1999 war Käser einer der ersten, der in der Schweiz Getreideschnäpse zu destillieren begann. Die eidgenössische Alkoholverwaltung entwarf das neue Gesetz, ohne die Einheiten der Whiskykunst wirklich zu kennen. So musste Käser oft bei der Alkoholverwaltung anrufen und erklären, weshalb dies oder das besser anders gemacht werden sollte, als im Gesetz vorgesehen. Beispielsweise war es erlaubt, dem Prozess zur geschmacklichen Gestaltung des Whiskys Obst beizumischen, aber kein Gemüse. Aber Käser wollte auch mit Gemüse experimentieren und konnte Argumente vorbringen, dass das Gesetz angepasst wurde. Das Gesetz sah zudem vor, den in den Whisky-Fässern verdunstende Alkohol versteuern zu müssen. Dies wäre etwas gleich absurd, wie wenn man buchhalterische Verluste versteuern müsste. Und jedes Jahr sollte bei den Fässern gemessen werden, wie viel Alkohol noch drin bzw. verdunstet sei – bei rund 80 Fässern wäre das für Käser eine mehrwöchige Arbeit geworden. Sein Vorschlag, die Fässer zu plombieren zu lassen und erst beim Verkauf zu messen, wurde schliesslich akzeptiert. Gewissermassen war es die Innovationskraft und Kreativität von Käser, die ihm erlaubte, das Gesetz mitzugestalten.

Rund vier Milliarden Menschen auf der Welt trinken Whisky. Den Markt teilen sich etwa 3‘300 Brennereien. Dominiert wird der Markt von nur drei grossen Unternehmen. Käser hat mit seinem Whisky Castle dank immer neuer Ideen einige Marktlücken entdeckt und besetzt heute erfolgreich diverse Nischen. Neben tollem Single Malt Whisky mit unverwechselbarem Aroma ist Käser in der Schweiz mit Obstbrand. Ein Besuch im Whisky Castle mit Degustation und Nachtessen lohnt sich. Oder im Laden in der Markthalle im Viadukt im Zürich.

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